Ich lebe noch

 

… nur falls sich schon jemand Sorgen gemacht haben sollte. 🙂

 

Und ich habe ein kleines Schüsselchen mit Eis und den Beeren pur gegessen. Den Rest habe ich zu Marmelade verarbeitet.

Und weil ich grad so schön dabei war und auch noch Gelierzucker übrig war, habe ich auch grad noch 2 Bananen zu Marmelade verarbeitet.

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Sehr lecker. Die Bananenmarmelade ist noch besser als die andere. Felsenbirne hat irgendwie keinen so herausragenden Geschmack, wie jetzt zum Beispiel Erdbeere oder eben Banane.

Aber auf so einem frischen Stück Butterzopf waren beide Marmeladen ganz vorzüglich.

Und wie schon erwähnt, habe ich es also überlebt. 🙂

Am Wochenende probiere ich vielleicht mal eine Mischung aus beiden. Bananen-Felsenbirnen-Marmelade. Das könnte auch sehr lecker sein. Und es ist eben immer noch Gelierzucker übrig. 😉

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Und nu?

 

Jedes mal, wenn ich dienstags nach meiner NordicWalken-Runde zurückkomme und wir an unserem Garten vorbeilaufen, fragen mich die beiden anderen, die sagen wir mal gärtnerisch ziemlich gut Bescheid wissen, warum ich denn diese Beeren nicht ernten würde. Sie fallen schon ab und der Boden ist bedeckt mit zermatschten Beeren.

Tja, warum eigentlich nicht?

Keine Ahnung, es ist vielleicht so ein kindliches Misstrauen, das in mir steckt. „du darfst die Beeren nicht essen, die sind giftig.“

Ausser bei den typischen und bekannten Beeren, wie Johannisbeeren oder Heidelbeeren bin ich also immer sehr skeptisch, wenn es um „einfach so Beeren vom Strauch“ geht.

Die Beeren, um die es hier geht, sind (hoffentlich) Beeren der Felsenbirne. Und gemäss Internet und den beiden Mit-Walkerinnen kann man die bedenkenlos essen.

Also habe ich heute mal geerntet.

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Beeren mit Schnecke

 

Sagt man jetzt eigentlich Beeren oder Birnen? 🙂

Wie auch immer – was mache ich jetzt damit?

  • Marmelade?
  • Smoothie?
  • pur essen?
  • eine Torte?
  • ….

Na, mir wird schon was einfallen.

Und falls sich alle und jeder geirrt haben sollten und es sind gar keine ungiftigen Felsenbirnen oder ich habe einen ganz besonderen Strauch, an dem die Beeren/Birnen eben leider doch nicht so ungiftig sind oder nur wenn man nicht mehr als 3 pro Tag davon isst, sind sie ungiftig. Also falls ich hier nichts mehr schreiben sollte demnächst, auch nicht am 5.7. ( 🙂 ), dann tja, hat es mich wohl erwischt….

Ein schönes Wochenende wünsche ich euch 🙂

WM – wir sind bereit

 

Mit drei Jungs ist die Wahrscheinlichkeit recht gross, dass in den nächsten Tagen hier im Hause auch mal das eine oder andere Fussballspiel geschaut wird.

Auch ich selbst finde WM-Fussball meistens recht spannend.

Was ich aber nicht so spannend fände, wären TV-Orgien in meinem Zimmer, weil dort der Fernseher steht. Jedes Spiel muss ich nun auch nicht gucken und ausserdem würden dann immer alle auf meinem Bett rumlungern. Das muss nicht sein.

Also haben wir kurzerhand umgebaut und der Fernseher steht ab heute im Wohnzimmer. Zum Glück nur provisorisch und nur für eine absehbare Zeit. Darum sieht das jetzt auch nicht so super aus mit dem verdeckten Spiegel dahinter….

 

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Jetzt muss ich auf der anderen Seite das Sofa noch umdrehen, damit wir alle, sofern denn mal alle gleichzeitig würden gucken wollen, uns nicht den Hals verdrehen.

Der Plan hängt auch und so kann die WM kommen.

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Vielleicht müssen wir uns noch ein bisschen um die Verpflegung kümmern, aber das sollen mal die Jungs selber machen.

Die Schweiz hat das erste Spiel am Sonntag. Da fiebere ich tatsächlich ein bisschen mit, wobei es gegen Brasilien vermutlich nicht sehr viel zu fiebern geben wird…. 🙂

Na, wir werden sehen.

Bring und Hol Tag

Eigentlich bin ich ein bisschen erkältet. Also so erkältet, dass ich gestern bei der Arbeit meine Mittagspause dazu gebraucht habe, um eine Stunde auf dem Schul-Sofa zu chillen und meinen Kreislauf wieder in Gang zu bringen. Das ganze kombiniert mit viel Cola und Chips, die noch von einem kleinen Apéro übrig waren und abends dann um 20:00 Uhr ins Bett. Nach gut 11 Stunden Schlaf bin ich heute einigermassen wieder hergestellt. Gesundgeschlafen sozusagen. 🙂

Das war auch wichtig, denn heute ist Bring und Hol Tag in der Nachbargemeinde.

Das Prinzip geht so: alles, was noch gut in Schuss ist, nicht kaputt, kein Müll und nicht zu gross (also keine Betten oder Schränke oder sowas), kann in einer bestimmten Zeit von den „Bringern“ zum Recyclinghof gebracht werden. Dort nehmen fleissige Helfer die Sachen entgegen und legen alles auf grossen Tischen aus.

Eine halbe Stunde nach dem die Bringer mit dem Bringen beginnen, wird der Hof für die „Holer“ geöffnet und die können sich einfach alles, was sie schön finden, gebrauchen können, denken, dass sie es vielleicht auf einem Flohmarkt verkaufen können, mitnehmen.

Eine Zeit lang läuft das Bringen und Holen parallel, also als Holer kann man im Grunde den ganzen Vormittag dort verweilen, es wird immer wieder neues Zeug angeliefert.

Es ist sowohl für die Bringer als auch für die Holer kostenlos und was am Ende übrig bleibt, wird direkt vor Ort recycelt. Sehr genial.

Und das hier alles, habe ich gebracht.

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diverse Kuscheltiere, Unmengen an Puzzles, Gesellschaftsspiele, die wir seit 10 Jahren nicht mehr gespielt haben, eine Carrerabahn, ein bisschen Geschirr, ein paar Bücher, mein toller Fliegen-Vorhang, den ich einfach so gekauft hatte und den dann niemand montieren konnte. Sehr schade….

Was ebenfalls sehr schade ist: man merkt gar nicht, dass das alles weg ist. Also ich meine, wir haben jetzt nicht plötzlich unglaublich viel sichtbaren Platz. Das war ja alles irgendwo in Schränken verstaut. Die sind jetzt zwar innen etwas übersichtlicher, aber man sieht es eben nicht….

 

Anschliessend ging ich noch einkaufen und als ich mit dem Wagen voll Einkäufen ins Parkhaus runter fuhr, war noch eine andere Frau mit mir im Lift. Sie hatte auf -2 und ich auf -3 gedrückt. Und wie das in der Schweiz ganz normal ist, auch in einem riesigen Einkaufszentrum, wünschte sie mir beim Aussteigen „noch es schön’s Tägli“ und ich wünschte ihr dasselbe zurück.

Das ist für mich als ehemalige Berlinerin noch immer unglaublich ungewohnt, aber es macht mich sehr froh, dass die Leute – wildfremde – hier so freundlich sind.

Und ich verliess den Lift mit einem Lächeln auf den Lippen. 🙂

Liebes Tagebuch….

 

… es ist wieder der fünfte des Monats und Frau Brüllen möchte wissen, was denn heute alle so machen. 🙂 Ab 18:00 kann man all die blogs dann bei ihr nachlesen.

Nur kurz vorab zur Info, falls sich jemand sorgen sollte: nach meinem letzten Beitrag geht es mir inzwischen wieder sehr gut. Es belastet mich nicht mehr und mein Alltag geht weiter. Hin und wieder tauchen Gedanken daran auf, aber es ist ok. Damit kann ich leben und jetzt auch ganz unbesorgt meinen heutigen Tag beschreiben.

Also, los geht’s.

Ich stehe auf. 🙂

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Der Wecker wird erst um 6:30 klingeln, aber ich bin nun mal schon vorher wach.

 

Mein erster Blick geht in den Garten, denn gestern Abend ist ein so dermassen heftiges Gewitter runtergekommen, dass es zu ca. 100 Meldungen bei der Feuerwehr kam, wegen überschwemmter Keller und Strassen und was nicht noch alles.

Der Garten hat es aber erstaunlicher Weise relativ gut überstanden. Ich war zu der Zeit gar nicht zuhause, aber die Jungs erzählten von Hagelkörnern so gross wie PingPong-Bälle. Der Boden sei weiss gewesen.

Die Feige hat noch am stärksten gelitten. Sie sieht etwas angedätscht aus.

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Dann mache ich mir mal ein kleines Frühstück. Das ist ein megaleckeres Müsli!!!

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Auf der Milchpackung sehr gut zu sehen, die Mehrsprachigkeit des Landes. Auf jeder Schachtel, Packung oder Tüte muss alles in den drei Hauptlandessprachen stehen. (es gibt ja auch noch Romanisch, aber das sprechen zu wenige als dass es für einen Platz auf der Milchpackung gereicht hätte) Das ist für den Packungsdesigner oftmals eine Herausforderung. Darum sind sie beim Müsli vermutlich auf die Super-Idee gekommen, einfach Englisch zu nehmen….. „Honey, Ginger, crunchy“, aber der kleine Kreis mit „neu, nuveau, novita“ ist dann doch wieder in drei Sprachen. 🙂

Gegen 6:45 gesellt sich Sohn 3 zu mir, der auch ein bisschen etwas isst und dann kurz nach sieben zur Schule radelt.

Nach meinem obligatorischen Kaffee sowie der ebenfalls obligatorischen Abarbeitung aller Aufgaben in Springfield bei den Simpsons, gammele ich noch ein bisschen auf dem Sofa herum, denn mein Sport beginnt erst um 9:00 Uhr.

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bestes Laufwetter

 

Wir wechseln ab zwischen Feldwegen und Wald, aber der Wald gefällt mir besser. Es ist unglaublich schwül nach dem Unwetter von gestern, im Wald aber angenehm kühl und es duftet so wunderbar nach frischem Boden.

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Nach ca. 1 1/2 Stunden und 9.470 Schritten, so gegen 10:30 sind wir wieder zurück und ich genehmige mir ein zweites Frühstück, zusammen mit Sohn 2, der auch gerade erst frühstückt…. Wir unterhalten uns ein bisschen über mögliche zukünftige Praktika oder Jobs oder doch eine Lehrstelle.

(während ich laufen war, ist Sohn 1 vermutlich auch aufgestanden und zur Schule gegangen. Er hat dienstags immer später und ich bekomme es nicht mit, wann er losgeht.)

Meine Uhr ist zufrieden mit mir und so habe ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich jetzt meinen Appetit stille.

 

Ich bekomme eine mail aus der Sprachschule und soll etwas wegen einer Vertretung klären, es lässt sich aber sehr schnell am Telefon klären und ich habe weiter nichts zu tun. Wo ich schon gerade am Compi sitze, lösche ich noch schnell meinen LinkedIn-Account, den ich eh nie gebraucht habe und schreibe hier schon mal die ersten paar Zeilen.

Jetzt ist es schon fast Zwölf und ich werde mal duschen gehen, denn in ca. 30 min, wird Sohn 3 aus der Schule nach Hause kommen.

 

 

Ich komme gerade frisch geduscht aus dem Bad, da kommt auch schon Sohn 3 angeradelt. Er sagte, er wäre nicht durch den Wald gefahren, sondern das sei alles von den Feldern auf den Veloweg geschwemmt worden und er musste da nun mal durch.

Glaube ich ihm sofort. Er nimmt den Gartenschlauch und spült sein Velo wieder sauber. Das wird dann wohl so bleiben, bis er heute Nachmittag wieder hier ist…. 🙂

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Wir haben einen kleinen Lunch auf der Terrasse. Neue Regel hier im Hause: mittags soll nicht mehr warm gekocht werden sondern abends. Entweder einer von uns Eltern oder wenn wir beide spät nach Hause kommen sollten, dann kochen die Jungs selber was. Bedingung ist nur: der Kühlschrank muss auch etwas hergeben, das man kochen kann.

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Apfelsaft/Jus de pomme/Succo di mele und Honig/miel/miele – da braucht man gar keinen Sprachkurs mehr. 🙂

 

Als Sohn 3 dann wieder weg ist, mache ich mich auf den Weg ins Gartencenter, denn ich brauche ein paar Pflanzen für vor’s Haus.

 

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Das Teil mit den länglichen Blüten ist im Grunde eine ganz gewöhnliche Primel. Sieht nur viel schöner aus.

 

So, dieses kleine Eckchen hatte ich am Sonntag bereits vorbereitet, also den ganzen Löwenzahn und Unmengen Gräser ausgegraben und die beiden Steindinger, die der Herr der Hauses mitgebracht hatte, verlegt.

Das Unwetter konnte also nicht mehr viel anrichten hier, dafür war die Erde schön feucht und locker. 🙂

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Der Lavendel durfte bleiben, alles andere musste weichen.

Und dann nur ein paar Minuten später sieht es so aus:

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Gegen halb drei werde ich sehr müde irgendwie. (hätte gestern Abend vielleicht nicht so lange aufbleiben sollen….) Aber ein Kaffee sollte da helfen.

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Jaja, die Maschine werde ich auch mal wieder sauber machen….

Mit dem Kaffee auf dem Sofa, schreibe ich im blog weiter und höre im Hintergrund das Vogelgezwitscher, das vom Wald herüberklingt. Sohn 2 bereitet sich auf drei Probearbeitstage vor (wie repariert man ein IPhone? Wie geht das überhaupt auf? Wie wechselt man das Glas oder den Akku? und so weiter und so fort….), Sohn 1 und 3 sind noch in der Schule. Sehr gemütlich für mich. Dienstag ist – bis auf abends ein Kurs – mein freier Tag und bei schönem Wetter geniesse ich das sehr!

 

 

So gegen halb vier fange ich dann aber doch noch an, meinen Kurs für heute Abend vorzubereiten.

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heute lernen sie Finalsätze mit „damit“ oder „um…zu“

 

Anschliessend muss ich die Maschine ausräumen (erst die Arbeit….

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… dann das Vergnügen) und setze mich danach in den Garten. Mit Lektüre. Und einem kleinen Snack….

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Ich entdecke ein Rezept für Hefe-Plunder mit Vanillequark und Himbeeren. Das könnte ich ja mal ausprobieren. Am Wochenende vielleicht.

Neben mir chillt die Katze. Die eine von beiden. Auf den Platten ist es nämlich meistens recht kühl.

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total tiefenentspannt

 

Um kurz nach halb sechs nehme ich den Bus (mein Velo hatte ich gestern Abend lieber in der Stadt gelassen bei dem Unwetter) und fahre zur Sprachschule.

Der Kurs dauert ca. 90 min, wir sind nur zu dritt und sie sind sehr gut und lernen schnell. Wir machen auch noch ein bisschen Konversation und schon ist die Zeit rum.

Ich hole das Velo aus der Tiefgarage und ab geht’s nach Hause.

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Auf dem Heimweg sehe ich, was der Regen und der Hagel auf den Feldern angerichtet haben.

 

Das sieht schlimm aus. Aber die Erde schwemmt es einfach weg, da ist kein Halt mehr auf den Feldern.

 

Zuhause angekommen so gegen halb neun, haben die Männer schon das Abendessen fertig und ich bekomme noch einen Dürüm zum selber füllen ab. Sehr lecker. 🙂

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Vor lauter lockerem Geplauder auf der Terrasse vergesse ich total, den Blogbeitrag zuende zu schreiben und dann noch bei Frau Brüllen zu verlinken!

Nun ist es schon fast halb zehn und höchste Zeit, hier abzuschliessen.

Ich bin eh so müde und muss morgen auch schon wieder früh aufstehen, dass mein Abend wohl nicht mehr lange dauern wird.

Vielleicht lese ich noch etwas, aber vermutlich eher nicht.

Ich wünsche euch einen schönen Abend und eine schöne Woche und danke euch für’s Lesen. 🙂

das erste Mal

… und hoffentlich auch das letzte!!

Das war nicht schön, gestern.

 

 

 

 

 

 

Es ist ein sonniger, warmer Tag, ich habe nach einem Kurs ca. 2 Stunden Zeit bis ich wieder arbeiten muss.

Also kaufe ich mir einen Kaffee und setze mich an einen schönen Ort, um ein bisschen zu chillen, zu lesen, Leute zu beobachten. Einfach eine kleine Pause zu machen.

Der Platz auf dem ich sitze, ist eine kleine Terrasse, relativ hoch über dem Rhein, Bäume bieten Schatten, es stehen Bänke auf dem Platz, aber man kann auch auf der Steinmauer sitzen, die den Platz auf drei Seiten umschliesst.

Ich sitze also da, trinke meinen Kaffee, lese ein bisschen und immer wieder kommen Touristengruppen, geniessen die Aussicht, verweilen, hören ihrem Guide zu und gehen dann wieder weiter.

Ein Mann kommt, schaut über die Brüstung nach unten, geht ein Stück zur Seite, schaut noch einmal nach unten und fällt mir dann aber nicht mehr weiter auf. Sehr viele Leute kommen hierher und schauen. Auch immer wieder über die Brüstung, denn da unten ist der Rhein und man kann Schiffe beobachten oder auch Ruderer oder Kanuten.

Der Platz leert sich wieder, ein Moment der Stille, keine Touristengruppen, nur etwa noch 2-3 andere Personen ausser mir auf dem ganzen Platz.

Da kommt der Mann von vorhin wieder. Er läuft schnell und zielstrebig zur Brüstung, setzt sich drauf, die Beine baumeln nach unten.

Und er stösst sich ab!

 

 

Das kann doch nicht wahr sein!! Ist der jetzt da runter gesprungen? Es geht 18m runter auf eine (zum Glück sehr selten benutzte) Uferpromenade. Der ist nicht gesprungen, oder? Vielleicht ist da noch ein kleines Bord, auf dem er gelandet ist?

Es vergehen ca. 10 Sekunden, die ich brauche, um zu realisieren, dass das kein Film ist und der da wirklich gesprungen ist.

Ich gehe zur Brüstung und schaue nach unten. Kein Bord. Ich sehe ihn ganz unten liegen. Sehe nur die Beine, der Rest des Körpers ist unter einem Gebüsch verborgen.

Ach du Scheisse!!!!!!!!!!

Ich rufe den Notarzt an und schildere die Situation. Sie schicken jemanden, ich soll warten. Mir zittern die Hände, die Knie, meinen Kaffee mag ich nicht mehr trinken, ich weiss immer noch nicht so richtig, ob das jetzt wirklich alles passiert ist. Ich traue mich weder ein zweites mal nach unten zu schauen, noch nach unten zu ihm zu laufen.

Niemand sonst scheint etwas bemerkt zu haben, das ging so wahnsinnig schnell, er hat nicht eine einzige Sekunde gezögert. Es ist so irreal!

Es kommen wieder Touristen, sie stehen genau dort, wo er gesprungen ist, an der Brüstung und bewundern die schöne Aussicht. Sie schauen zum Glück nicht direkt nach unten. Es ist so absurd!

Dann höre ich die Sirenen, der Notarzt kommt, Polizei, noch ein Krankenwagen, noch mehr Polizei, sie sperren ab, sie rennen nach unten, grosse Hektik auf dem Platz.

Mein Telefon klingelt. Die Polizei. Sie hatten meine Nummer gespeichert. Ich soll nicht weggehen, sie brauchen mich noch.

Später kommt ein Polizist, nimmt meine Personalien auf, ich schildere ihm, was ich gesehen habe, er macht sich Notizen. (sie haben übrigens genau so ein kleines Notizbüchlein, wie in den TV-Krimis. Auf was man in so einer Situation nicht alles achtet….)

Ich begreife, dass ich offensichtlich die einzige Zeugin gewesen sein muss. Und nur durch meine Aussage können sie Fremdeinwirkung ausschliessen. Nur ich habe gesehen, was passiert ist. Dass er ganz alleine war, dass niemand sonst da war.

Ich weiss noch nichtmal, ob der Mann noch lebt oder gestorben ist, das darf mir der Polizist auch nicht sagen. Sagt er.

Sie lassen mich nicht gehen, bis nicht eindeutig alles geklärt ist. Eine Stunde vergeht. Ein zweiter Polizist, nicht mehr in Uniform, wahrscheinlich Kriminalpolizei, befragt mich auch noch. Er ist sehr freundlich. Er sagt mir später auch – vielleicht ein Versehen? – dass ich bleiben muss, bis die Staatsanwaltschaft den Leichnam freigegeben hätte. Also hat er das nicht überlebt…..

Irgendwann kommen die Männer mit den Spurensicherungskoffern wieder nach oben, alle packen ihre Sachen, die Autos fahren davon. Der Kriminalpolizist gibt mir meinen Ausweis zurück. (den hat er behalten, damit ich nicht weglaufe…..)

Nach 2 Stunden kann ich gehen.

Ich gehe sogar noch arbeiten, das lenkt mich alles ein bisschen ab.

Aber ich weiss, diese Bilder, dieser Moment, wo er sich abstösst, das werde ich vermutlich sehr lange nicht vergessen können.

Schon auf dem Heimweg, den ich ca. 25 min. auf dem Fahrrad zurücklege, kann ich an nichts anderes denken.

Wir sprechen zuhause darüber, klar, ich hätte nichts tun können und er WOLLTE ja sterben. Für ihn gab es keine andere Lösung. Trotzdem denke ich, darüber nach, ob es nicht irgendwie hätte verhindert werden können. Hätte ich nach unten rennen sollen? Vielleicht hat er noch ein paar Minuten gelebt? Aber welche Bilder hätte ich dann im Kopf jetzt? Ich habe mich automatisch selbst geschützt.

Ich schlafe nicht viel in der Nacht. Um 6:00 Uhr bin ich wieder wach, nachdem ich bis ca. 1:30 nicht einschlafen konnte.

Vielleicht hilft es mir, dass ich es jetzt nochmal aufgeschrieben habe. Ich hoffe, dass die Bilder in ein paar Tagen (Wochen?) wenigstens verblassen werden.

Ich wünsche niemandem auf der Erde, dass er oder sie in eine Situation kommt, in der der Selbstmord der einzig mögliche Ausweg zu sein scheint!

…..

 

Grotto Baldoria

 

Am Wochenende waren der Herr des Hauses und ich in Ascona, im Tessin. Und das kam so:

Seit ein paar Jahren sind wir als ganze Familie jeweils über das verlängerte Auffahrt/Himmelfahrt-Wochenende mit 2-4 anderen Familien zusammen unterwegs. Wir mieten eine grössere Hütte und wandern, kochen gemeinsam oder grillen im Wald, die Kinder haben viel Spass miteinander.

Seit ca. 2 Jahren fährt Sohn 1 nicht mehr mit und geniesst es, das Haus für sich zu haben. Also sturmfrei…..

In diesem Jahr nun sollte es zum ersten mal keine Familienausflüge mehr geben, weil inzwischen auch Sohn 2 und die anderen Kinder der anderen Familien nicht mehr mitfahren wollten. Also endet hiermit die Tradition dieser Familien-Kurzferien.

Allerdings hatte sich nicht nur Sohn 1 bereits an die sturmfreie Bude gewöhnt sondern auch seine Freunde, die mit ihm in den letzten beiden Jahren hier immer ein Grillfest (und was nicht sonst noch so….) veranstaltet hatten.

Er fragte uns also vorsichtig, ob wir nicht trotzdem irgendwo hin fahren wollten, er habe schon Anfragen bekommen, ob denn bei ihm wieder sturmfrei wäre….

Tja, wir wurden sozusagen rausgeschmissen. 🙂

Sohn 3 quartierten wir bei einem Freund ein, wo er übernachten konnte. Sohn 2 wurde von Sohn 1 als gleichberechtigt anerkannt und „durfte“ bleiben. 🙂

So machten wir uns also am Samstag Morgen in aller Frühe (alle drei Jungs schliefen noch) auf den Weg zum Bahnhof und fuhren fast 4 Stunden runter ins Tessin.

Wir hatten ein Zimmer in einem kleinen Hotel gebucht, direkt am See, aber so minimalistisch, dass es preislich für uns noch im Rahmen war. Wir wollten dort ja nur schlafen, also waren unsere Ansprüche nicht so hoch. Es war aber tiptop in Ordnung, das Personal sehr freundlich, auch das Frühstück völlig ausreichend. Wir hatten es echt gut.

Wir latschten relativ viel durch den Ort, fuhren noch mit einem Bähnli auf einen Berg Hügel hoch und besichtigten ein altes Kloster.

Für den Abend suchten wir ein kleines Restaurant und der Herr des Hauses fand eine Empfehlung im Internet.

Völlig ahnungslos gingen wir hin. In die Grotto Baldoria.

Schon von Weitem hören wir das Geklapper von Besteck und Geschirr. Wir hoffen, dass es nicht so voll ist und wir noch ein Plätzchen bekommen, immerhin sind wir ja nur zu zweit.

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Ja, tatsächlich, es ist schon sehr voll, dabei ist es erst so Viertel nach sieben oder so. Wir sitzen zu zweit an einem Tisch, an dem auch sechs Leute Platz hätten, aber mal abwarten.

Kaum sitzen wir, kommt schon eine Kellnerin und fragt, was wir trinken möchten. Wir sagen „Wasser und einen Weisswein. Einen halben Liter.“ Sie fragt noch, ob das Wasser mit oder ohne Kohlensäure, dann ist sie schon wieder weg.

Sie kommt mit den Getränken zurück und diesem riesigen Brett mit Salami und einem sehr, sehr scharfen Messer. Dazu gibt es einen Korb mit Brot.

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Das Messer ist fantastisch und ich schneide hauchdünne Scheibchen von der Salami ab. Mega lecker!!!

Während wir noch an der Salami knabbern kommt die Kellnerin schon mit einem neuen Teller. Und wenn man sich so umschaut, sieht man, dass an allen Tischen dasselbe passiert. Alle haben ein Brett mit Salami und diesen Salat auf den Tischen.

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Aha, das ist also das Konzept. Es gibt keine Karte, es wird gegessen, was auf den Tisch kommt und alle bekommen dasselbe Essen.

Inzwischen werden zuerst ein Pärchen und ein paar Minuten später noch zwei junge Frauen zu uns an den Tisch platziert. Man stellt sich vor, prostet sich mit dem Wein zu und auch die anderen Vier bekommen ihre Salami, den Salat und Brot.

Nach der Salami und dem Salat kommt noch eine Platte mit hauchdünn geschnittener Zunge. Wenn man es nicht weiss, kann man es durchaus essen. Schmeckt gar nicht so schlecht. 🙂

Nun sind wir sechs am Tisch synchron, obwohl wir gar nicht zur gleichen Zeit gekommen sind, aber das haben sie phänomenal im Griff. Irgendwie scheint das gesamte Restaurant synchron zu sein. Es öffnet um 19:00 Uhr und dann fangen sie mit Salami und Salat an und wer zuerst da war, wartet jetzt ein bisschen auf die anderen und am Ende sind alle auf dem selben Stand.

Bereit für die Nudeln. Die kommen einfach wie bei Mama in einer grossen Schüssel an den Tisch geliefert und man hält seinen Teller hin (den selben von Anfang an) und bekommt eine Portion geschöpft.

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Hinter dem Kellner läuft eine weitere Kellnerin mit einer Tüte Parmesan-Käse, den sie auf Wunsch auch direkt auf den Teller streut. Alle bekommen den Käse aus der Tüte direkt auf den Teller. Sehr effizient das Ganze.

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Soweit ich es erkennen kann, gibt es keinen Nachschlag, denn der mit der Schüssel kommt kein zweites mal herum. Dafür kommt jetzt wieder eine Kellnerin, nimmt in jede Hand einen Teller, läuft damit in die Küche und kommt mit dem selben Teller wieder zurück. Darauf eine kleine Portion Polenta mit etwas Fleisch und Sauce. (das sah nicht so fotogen aus, daher hier ohne Bild) Kein Gemüse, keine Beilagen, nur Polenta mit Fleisch und Sauce. Aber sehr lecker!!

Danach geht, ähnlich der Salami-Platte, eine Käseplatte herum. Diesmal mit frischen Brettchen statt Tellern. Man schneidet sich vom Käse ab, soviel man mag, reicht das Brett weiter, gern auch an den Nachbartisch.

Inzwischen ist man auch mit den anderen ein bisschen ins Gespräch gekommen, vielleicht auch weil wir alle nochmal Wein nachbestellt haben.

Der Käse wird abgeräumt, ein grosses Blech mit Kuchen wird nun herumgereicht, der schon in keine Vierecke geschnitten ist, sodass man sich einfach ein oder zwei Stück nehmen kann.

Dazu gibt es, wer möchte, noch einen Espresso. Dieser wird zusammen mit ein paar Schnapsgläsern gebracht, denn der darf natürlich auch nicht fehlen.

 

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Auch hier bleiben sie ihrem Konzept der Einfachheit treu und stellen einfach 3 Flaschen Schnaps auf den Tisch. Einen Grappa, einen Limoncello und einen Nuss-Schnaps.

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Und nun kann man einfach einschenken. Mal alles durchprobieren oder bei einem bleiben oder was auch immer. Zu viel sollte man nicht trinken, sonst weiss man am Ende bei der Abrechnung nicht mehr, wieviele Schnäpse man denn nun hatte…. (ging unseren jungen Gästen am Tisch so…)

Ich habe den sehr leckeren Limoncello und einen Grappa probiert. Bin ja sonst nicht so der Schnapstrinker, aber hier passte es als Abschluss eines schönen Abends schon irgendwie rein.

Dann kommt die Kellnerin wieder an den Tisch, man stellt alle Flaschen (Wein und Wasser), die man bestellt hatte zusammen und sie rechnet mit einem kleinen Taschenrechner mit Papierrolle zusammen, was das dann alles so kostet. In der Hand ein dickes Bündel mit Geldscheinen, die sie schon einkassiert hat. So hat sie das Wechselgeld grad parat.

„und wieviele Schnäpse hattet ihr?“

Uns hat der Abend erstaunlicherweise nur 70.- Franken gekostet, was man sonst in einem Restaurant locker für eine Person alleine ausgeben kann. Das Essen hat geschmeckt, es war genug, um satt zu werden und die Stimmung und die Atmosphäre waren sehr schön.

Falls also mal jemand in Ascona sein sollte, kann ich dieses Erlebnis nur empfehlen!!

Den Abend liessen wir am See ausklingen und fielen dann müde in die Hotelbetten.

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Am Sonntag besuchten wir noch einen Markt im nahen Italien und machten uns dann schon wieder auf den Heimweg.

Die Jungs haben wunderbar ohne uns überlebt (grosse Kinder sind echt cool!!), das Haus steht noch, die Katzen sind nicht verhungert, alles bestens! 🙂

 

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