Fazit

Jetzt ist diese kleine Reise in die Berge schon wieder zwei Wochen her.

Die fünf Hütten, die wir besucht haben, waren alle so unterschiedlich und trotzdem hatte jede von ihnen etwas, was uns am besten gefiel. Auch die Kosten waren nicht bei allen Hütten gleich.

die Medels-Hütte:

positiv: sie hatte eine ganz warme und herzliche Atmosphäre. Alle Gäste sitzen im Gemeinschaftssaal eng beieinander an grossen Tischen und man muss gezwungenermassen miteinander reden (und wenn es nur die Bitte um die Suppenschüssel ist). Grosse Töpfe auf dem Tisch und jeder nimmt sich, was und wieviel er will. Wie zu Hause. 🙂 Ausserdem ist die Aussicht und der Nachthimmel eine Wucht.

negativ: die Waschräume waren sehr kalt und auch nicht so einladend irgendwie. Das Essen eher nur so lala…

Kosten: für uns alle incl. 4-Gang-Abendessen, Frühstück und Proviant, und Getränke, als wir ankamen: 350.- Franken (ca. 325.- €)

die Terri-Hütte:

positiv: Spaghetti Bolo zum Abendessen 🙂  und als wir Hilfe beim Umbuchen brauchten, sehr, sehr freundliches und hilfsbereites Personal.

negativ: eher gross und unpersönlich

Kosten: für uns alle incl. 2  1.5 Literflaschen Rivella/Apfelschorle (13.-  pro Flasche ….) aber ohne Proviant: 328.- Franken (ca. 300.- €)

die Motterascio-Hütte:

positiv: ein Schlafraum nur für uns alleine; das Lunchpaket grosszügig und in einem Stoffbeutel; wir haben geduscht!!; liebe und freundliche Hüttenwartin

negativ: ein hässlicher Anbau

Kosten: für uns alle incl. Proviant (12.- pro Person), Kaffee und Kuchen am Nachmittag und Schokolade für die Jungs: 431.- Franken (ca. 398.- €)

die Adula-Hütte:

positiv: sehr, sehr freundliche Hüttenwartin, sehr angenehme Atmosphäre, Frühstück mit Nutella!!

negativ: eiskalte Schlafräume

Kosten: für uns alle incl. Proviant und Kaffee und Kuchen am Nachmittag und einem Extra-Kapselkaffee für mich zum Frühstück: ca. 300.- Franken (ca. 277.- €)

die Quarnei-Hütte:

positiv: sehr schön warm, durch einen Ofen im Hauptraum, der aber fast das ganze Haus heizte. Ein Zimmer für uns alleine, das auch noch warm war.

negativ: sehr gross, dadurch – und weil wir auch nur 7 Gäste in dem Riesensaal waren – etwas unpersönlich. Wenig Atmosphäre.

Kosten: für uns alle incl. Kaffe und Schokolade am Nachmittag: 250.- Franken (ca. 230.- €)

 

Wenn wir noch die ca. 550.- Franken für die zwei Nächte Campingplatz, Restaurantbesuche und Zugfahrkarten dazurechnen, haben uns diese Ferien so um die 2.500.- bis 2.700.- Franken gekostet.

Ja ja, die Schweiz ist schon nicht ganz so günstig, aber wir hatten trotzdem sehr viele erinnerungswürdige Erlebnisse, die wir speichern können. Somit war diese Reise in meinen Augen mehr Wert, als z.B. eine Woche Strand auf Mallorca incl. Flug und Hotel (obwohl ich persönlich auch dazu nicht nein sagen würde….)

So, und ab jetzt wird es eventuell wieder etwas ruhiger. Ich habe hoffentlich nicht zu hohe Erwartungen an die Schreibfrequenz entfacht. 🙂

Der Alltag ist wieder da und es passiert nicht mehr ganz soviel Zeug, dass ich jeden Tag etwas schreiben könnte. Aber ab und zu kommt sicher mal wieder etwas interessantes hier reingeflattert. 🙂

Danke für’s Lesen und teilweise für’s Kommentieren. Bis bald.

Herbstferien, Tag 8

Tag 8, 10. Oktober 2016

Wir hatten Brötchen bestellt und frühstücken wieder im Vorzelt. Drinnen müssten wir sonst das grosse Bett aufräumen und den Tisch ausklappen. Wäre wahrscheinlich wärmer und bequemer als draussen, aber wir sind faul. 🙂

Wir packen alles ein und ins Auto und fahren einfach mal drauflos ins Maggia-Tal.

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ganz typisch diese „Rustico“ Steinhäuser

Wir fahren immer weiter ins Tal hinein bis fast ganz hinten, bis es nicht mehr weitergeht. Am Ende gibt es eine Seilbahn, die aber nicht in Betrieb ist. Also kehren wir wieder um.

Auf fast jedem Foto, das wir machen, macht irgendeiner diesen Dab (ganz links) 🙂

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v.l.n.r.: Sohn 2, ich, Sohn 3, Sohn 1, der Herr des Hauses. Glaube ich … könnte aber auch anders sein….

Wir verlassen dieses Tal wieder und fahren eine Ecke weiter ins nächste Tal. Das Verzasca-Tal. Hier gibt es einen berühmten Stausee von dessen Mauer sich James Bond schon mit einem Bungy-Jump in die Tiefe gestürzt hat. Niemals in meinem Leben und auch in keinem meiner nächsten Leben werde ich einen Bungy-Jump machen!!!

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220 m. geht’s runter….

 

Vor vielen Jahren, Sohn 3 war noch sehr klein, waren wir schon mal hier und hatten so ein Rustico gemietet. Bei unserer Fahrt durch das Tal kommen wir genau dort wieder vorbei und entscheiden spontan, zum Mittagessen einzukehren.

Es sieht alles noch genauso aus wie damals. Die Kinder finden nur, es ist alles viel kleiner…..

Wir essen eine fantastische Käseplatte, der Herr des Hauses bekommt eine Schweinshaxe mit Polenta, ich eine Polenta mit einer leckeren Wurst drin, die grossen Jungs eine Lasagne und  Sohn 1 eine Salametti oder so. Er hat auf nichts so richtig Lust und darum ist er eben Salami und Käsebrote. Auch gut.

Dann ist es schon früher Nachmittag und wir machen uns auf den Heimweg. Wieder durch den Tunnel. Inzwischen bin ich der Gotthard-Tunnel-Profi. 🙂

Am frühen Abend sind wir wieder zu Hause, die Katzen freuen sich, die Waschmaschine startet ihren ersten Lauf, wir gucken die Post durch, die Jungs verziehen sich in ihre Zimmer und kommen erst wieder zum Abendessen hervor.

Schön war’s. 🙂

Herbstferien, Tag 7

Tag 7, 9. Oktober 2016

 

Heute regnet es. Eigentlich könnten wir die Ferien hier komplett abbrechen, denn für eine weitere Bergtour in der zweiten Woche sind die Wetterprognosen zu schlecht. Ausserdem mögen meine Beine nicht mehr. Irgendwie habe ich mir die Knie zerschossen und brauche erstmal ein paar Tage Ruhe. Ich hoffe, das wird wieder.

Für Montag ist aber nochmal schöneres Wetter angesagt und so entscheiden wir, erst am Montagabend abzureisen.

Heute also Indoor-Programm. Ganz in der Nähe von Tenero gibt es ein grosses Spassbad mit Rutschbahnen und so weiter.

Wir frühstücken also „gemütlich“ im kühlen, feuchten Vorzelt und packen dann unsere Badesachen zusammen. Die Fahrt dauert nur 20min. und am Vormittag ist auch noch nicht so viel los im Schwimmbad.

Bis ca. 16:00 Uhr verbringen wir den Tag mit Wellenbad, warmem Aussen-Pool mit Massagedüsen am Rand, Rutschbahnen und faulenzen im Liegestuhl.

Dann geht es wieder zum Campingplatz und wir überlegen uns, heute Abend in Ascona zu essen. Mangels Ortskenntnis und auch weil wir dann keine Lust mehr auf längere Sucherei haben, landen wir in einem PapaJoes, was nichts anderes als ein besserer McDoof ist.

Aber egal. Es gibt mal wieder Pommes und Burger und so schlecht ist es ja auch wieder nicht.

Morgen dann noch ein bisschen Verzasca und Maggia.

Herbstferien, Tag 6

Tag 6, 8. Oktober 2016

Wir bekommen ein leckeres Frühstück mit 3 verschiedenen Marmeladen und Honig. Wieder haben wir das Lunchpaket vergessen. Da es aber unser Abstiegs-Tag ist, werden wir es hoffentlich auch ohne Lunch schaffen.

Die Jungs essen Unmengen Brot zum Frühstück und werden dann sowieso weniger Hunger haben.

Ein letztes Mal packen wir die Rucksäcke, ärgern uns ein bisschen über das Gewicht und nehmen uns wiederholt vor, beim nächsten Mal viiiiiieeeeel weniger einzupacken.

Der Plan ist: wir wandern zur Seilbahn, dann nehmen wir den Bus nach Biasca und von dort fahren wir getrennt weiter. Die Männer Richtung Tenero auf einen Campingplatz und ich nach Andermatt, um das Auto zu holen. Dann sind wir in Tenero unabhängiger.

Der heutige Tag ist sehr neblig, feucht und kalt. Da fällt uns der Abschied aus den Bergen sehr leicht.

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wie im verwunschenen Märchenwald

Die Pfade durch den Wald führen uns Richtung Tal. Und wieder begegnen wir Jägern, die uns fragen „Haben Sie gesehen Ziege?“

Nein, haben wir nicht. Wirklich nicht.

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Huhu, da kommt ein Waldgeist aus dem Dickicht….

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Gemütlich ist diese Wanderung nicht. Es ist kalt, sobald man stehen bleibt, der Boden ist feucht und rutschig, der Nebel ist dicht.

Irgendwann kommen wir endlich bei der Seilbahn und wieder in der Zivilisation an. Wir sehen Samstags-Ausflügler, die um die Mittagszeit bei der Seilbahn essen wollen.

Der Kontrast zwischen uns (ungeduscht, dreckig, vollbepackt, müde und ein bisschen durchgefroren) und den Ausflüglern (geduscht, sauber, mit Handtäschchen, fit und warm) ist nicht zu übersehen.

Nach der Seilbahn erwischen wir den Bus und die Bahn für die Männer steht am Bahnhof schon bereit. Sie müssen sogar ein bisschen sprinten, damit sie ihnen nicht abfährt.

Mein Zug kommt erst in 20 min. und ich kaufe mir noch ein Sandwich am Kiosk.

Ich fahre durch den Gotthard-Tunnel und bin nach Umsteigen in Göschenen bald in Andermatt. Dort kaufe ich noch ein bisschen ein für den nächsten Morgen (1kg Butterzopf, 2 L Milch, Butter, Nutella!!, Marmelade, ein bisschen Obst, Apfelsaft und Mineralwasser) und bin dann froh, dass unser Auto noch dort steht, wo wir es geparkt haben. Und der Parkplatz war wirklich kostenlos. Ich kann es immer noch nicht glauben.

Der Herr des Hauses gibt mir die Koordinaten von Tenero durch, ich programmiere das Navi und fahre los.

In Andermatt bin ich ja schon fast auf halbem Weg über den Gotthard-Pass, aber da meine Orientierung nicht gerade meine Kernkompetenz darstellt, lasse ich mich vom Navi wieder runter und dann durch den Tunnel führen. Ich habe aber nichts gegen den Tunnel. Hoffe nur, dass niemand einschläft und mit lauter Musik (von Rhodes) bin ich bald wohlbehalten auf der anderen Seite des gewaltigen Berges.

Auf dem Campingplatz haben wir so einen Wohnwagen mit Vorzelt gemietet, der aber so klein ist, dass der Herr des Hauses mehr oder weniger draussen im Vorzelt schlafen muss.

Kalt ist es auch, aber das sind wir ja schon gewöhnt… 🙂

 

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Abends fahren wir noch nach Locarno in eine Pizzeria und fressen uns den Bauch voll.

 

Herbstferien, Tag 5

Tag 5, 7. Oktober 2016

Ich bin heute als erste wach. Aus dem inzwischen warmen Bett muss ich allerdings raus auf das kalte WC. Dafür muss ich mich auch komplett anziehen, denn man rennt da eher nicht im Pyjama rum. Wir sind ja nicht alleine in der Hütte….

Die Hüttenwartin ist schon auf und kocht Kaffee. Natürlich kocht sie für das allgemeine Frühstück keinen Kapselkaffee. Aber weil ich sie so lieb frage, bekomme ich doch einen Kapselkaffee vorweg.

Ausserdem, und das hatte ich ganz vergessen, waren wir ja sogar die Kaffeelieferanten. Denn wie schon gesagt, sind die Hütten untereinander echt gut vernetzt. So wusste die Frau von der Adula Hütte, dass wir kommen würden und fragte die Hüttenwartin von der Motterascio Hütte, ob sie uns nicht zwei Pakete Kaffee mitgeben könnte. So waren wir also Kaffee-Kuriere.

Gleichermassen gab uns die Adula Hüttenwartin dann Milchpulver und Marmelade für die Quarnei Hütte, unsere nächste Station, mit.

So, nun zurück zum Frühstück. Denn das ist hier ganz besonders: ES GIBT NUTELLA !!

Die Adula Hütte katapultiert sich hiermit sofort auf Platz 1 unserer Rangliste. Da kann selbst die Spaghetti Bolo nicht mehr mithalten. 🙂

Als Lunch bekommen wir wieder selbstgebackenes Brot mit Käse und Schinken (wir hatten daran gedacht, am Abend bescheid zu sagen) und für jeden einen Apfel.

Das Wetter hält und wir machen uns auf zu unserem nächsten Ziel, der Quarnei Hütte auf  2102 m.ü.M.

Beim Wandern in leicht unübersichtlichem Gelände haben wir immer alle den Kopf unten. So kann ich relativ anonym unsere Fotos hier veröffentlichen. 😉

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Meine Walkingstöcke sind manchmal ganz hilfreich. Manchmal aber auch hinderlich.

Die rote Route ist eigentlich die einfache. Über den Gletscher war zum Beispiel eine blaue Route. Allerdings gab es hier offenbar trotzdem einen Todesfall.

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Man darf die Berge einfach nicht unterschätzen. Wir hatten ein paar Passagen, die vielleicht gar nicht so ungefährlich waren. Wer weiss?

Unser Weg führt uns heute weit nach oben. Sehr steil geht es den Berg hinauf zu der Hütte, die wir gestern dank Universum noch nicht erreichen mussten. Heute nun aber doch.

Später entdecken wir Greifvögel am Himmel. Elegant, sehr elegant.

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Auf dem Pass liegt ein kleiner See und wieder viele, viele Steine, die danach rufen, aufeinandergestapelt zu werden.

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Ja, im Sommer, da wäre der See sicher eine willkommene Abkühlung. Aber jetzt? Hier oben haben wir ca. 3 Grad….. nix mehr mit T-Shirt.

Steine stapeln macht aber auch bei 3 Grad Spass….

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Wir essen unseren Lunch und noch unsere aufgesparten Twix und Snickers. Dann sind wir bereit für den Abstieg.

Eine enge Schlucht, durch die auch mal das Wasser in einem Wasserfall hinabrauschen kann, wenn der See zu voll ist. Heute zum Glück alles trocken. Die Steine aber ziemlich lose, kein richtiger Weg erkennbar. Man muss sich selber einen Weg suchen. Es geht immer nur einer, damit er nicht von Steinen des Nachfolgenden getroffen werden kann. Sehr abenteuerlich…..

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und in echt also wirklich nochmal viel, viel steiler! Senkrecht runter würde ich sagen.

Aber wir meistern auch das, ohne eine einzige Steinlawine auszulösen. Man glaubt es kaum, dass wir von dort oben irgendwie runtergekommen sind.

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Überhaupt bin ich unten im Tal oft sehr überrascht, wie schnell wir doch den Berg runtergekommen sind. Genauso, wenn ich oben auf dem Pass stehe, denke ich „wow, das ging jetzt aber doch schneller als erwartet.“.

Wir landen also in einem Tal, das von zahlreichen Ziegen bewohnt wird. Sie stehen da überall herum und gucken uns an, als wir vorbeilaufen.

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Määää

Und das ist die Quarnei Hütte. Sehr interessante Architektur, allerdings auch ein bisschen merkwürdig mit den Hölzern vor den Fenstern oben. Fluchtweg durchs Fenster? Nein.

Durch einen Ofen in der Mitte sehr, sehr gemütlich warm und kuschelig.

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Ich muss erstmal meine müden Beine entspannen. Wir sind wieder relativ früh angekommen und essen draussen vor der Hütte noch unsere letzten Kekse auf. Vom Hüttenwart bekommen wir dazu Kaffee und heisse Schokolade.

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In dieser Hütte ist zum ersten mal der Hüttenwart alleine (immerhin mit Hund). In allen anderen Hütten sind sie mindestens zu zweit.

Allerdings sind wir hier auch nur 7 Gäste. Mit uns nur noch ein Pärchen. Wir bekommen wieder ein Zimmer für uns alleine und breiten uns ein bisschen aus.

Die Zimmer sind kühl, aber nicht so eisig kalt.

Bis zum Abendessen vertreiben wir uns die Zeit. Die Jungs spielen Schach und Schiffe versenken und ich lese ein bisschen in Wanderberichten von anderen Gruppen.

Zum Abendessen gibt es Suppe, Risotto und ein Dessert.

Der Wetterbericht meldet Wolken und Regen und wir beschliessen, dass wir unsere Tour hier beenden werden. Morgen wandern wir noch Richtung Tal zu einer Seilbahn, die uns dann bis ganz nach unten bringen wird.

5 Tage – 5 Hütten. Jede hatte ihre Vor- und Nachteile. Jede war anders.

Morgen geht’s also ins Tal.

 

Herbstferien, Tag 4

Tag 4, 6. Oktober 2016

Das Frühstücksbrot ist hier extrem lecker. Es gibt Honig und so sind die Nutella-Junkies unter uns für’s erste befriedigt. (ich schliesse mich da nicht aus…..)

Zufälligerweise ist das Hüttenwartpärchen aus unserer ersten Unterkunft, der Medelshütte, auch hier gelandet. Sie wandern selbst ein bisschen, bis am Wochenende wieder Gäste auf ihrer Hütte erwartet werden. Die Hüttenwarte tauschen sich über Brotrezepte und diverse andere „Hüttendinge“ aus. 🙂

Diesmal haben wir es nicht verpasst, am Abend das Lunchpaket zu bestellen und sind freudig überrascht, als nach dem Frühstück ein Tablett mit unseren „Gaben“ bereit steht: jeder bekommt einen Stoffbeutel. Jeder bekommt zwei Klappstullen. Eine mit Käse, eine mit Schinken. Jeder bekommt einen Apfel, ein Rüebli und eine halbe Tafel Schokolade. Das ist der Wahnsinn!!! (kostet aber auch 12.- Franken – mal 5….)

Das Lunchpaket werden wir aber auch brauchen, denn heute steht wieder eine etwas längere Wanderung auf dem Programm.

Ziel ist die Adula Hütte auf 2012 m.ü.M. und der Weg dahin dauert gemäss Schild 5 Stunden und 40 Minuten. Für uns also mindestens 7 Stunden…..

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erstmal runter zum Lago, was aber immer bedeutet: nachher geht’s wieder rauf….

Stauseen sind schon meistens sehr gewaltig und die Staumauern natürlich erstrecht.

Wir wandern gemütlich durch einen Wald – juhu, es gibt wieder Bäume!! – und kommen bald an den See runter.

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Ganz hinten gräbt ein Schiff mit Bagger den Schlamm aus.

 

Ein Blick zurück. Sohn 1 testet den Zoom des Objektivs. Von irgendwo dahinten oben sind wir gekommen heute morgen.

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kann jemand unsere Hütte entdecken?

Ah, jetzt wird es etwas deutlicher.

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Die Hütte ist deutlich erkennbar

Aber es geht noch näher.

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Man erkennt sehr gut den neuen Anbau auf der linken Seite. Passt gar nicht gut in die Landschaft.

Dann kommen wir an einen Tunnel, den wir wohl oder übel durchqueren müssen, denn sonst müssten wir durch den See schwimmen. 800m. Na, das werden wir wohl packen.

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Kein Licht am Ende des Tunnels. Jedenfalls jetzt noch nicht.

Wir sind total alleine. Kein Mensch oder Auto kommt uns entgegen. Draussen hörte man noch die Hirsche röhren, denn es ist gerade Brunftzeit. Im Tunnel hören wir nur noch unsere Schritte.

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Der Ausgang des Tunnels ist direkt bei der Staumauer. Sehr beeindruckende Bauten, so Staumauern. Dort, wo Sohn 2 steht, endet übrigens eine Kletterwand….. seht ihr die farbigen Griffe? Echt krass!!!! Aber da braucht man Genehmigungen und weiss nicht was für PiPaPo, damit man da klettern darf.

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Nach dem Stausee müssen wir noch durch einen zweiten Tunnel und kommen auf einen recht gut ausgebauten Weg, auf dem wohl auch Autos fahren können. Es kommt aber keins. Stattdessen sehen wir eine kleine Seilbahn. Damit werden dann Sachen z.B. auf die Hütten transportiert.

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Auch dieser Weg ist für mich wieder eher anstrengend. Man ist nicht so abgelenkt durch schwieriges Gelände, man latscht einfach und der Rucksack wird schwerer und schwerer, die Beine immer müder, die Schultern schmerzen, die Knie jammern. Na wenigstens kommt ab und zu mal ein bisschen Wasser über den Weg geflossen und ich muss gucken, dass meine Hose nicht nass wird. 🙂

Wie man sieht: immer noch im T-Schirt. Das Wetter ist echt bombastisch!!! Ich möchte nicht wissen, was wir bei schlechtem Wetter gemacht hätten!

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Ich gebe zu: ich bin trantütig komplett vorbeigelaufen und habe die Schweine nicht gesehen. Erst als die Jungs stehenbleiben und sich fragen, ob die überhaupt noch leben, werde ich aufmerksam. Ja, da ist man dann so im Trott und nimmt rechts und links nichts mehr wahr.

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Bekommen Schweine nicht einen Sonnenbrand? Sie sind auch schon ganz rot….

Kurz vor Schluss sehen wir weit, weit oben eine Hütte. Ganz ehrlich: ich bitte das Universum, dass dies bitte, bitte nicht unsere Hütte sondern eine andere sein soll!

Es überholt uns ein Auto. Huch, ein Auto? Da sitzen faule Wanderer drin, die Autostop gemacht haben. Faule Säcke, die.

Das Universum hat mich tatsächlich erhört und nach einer Kurve taucht die „richtige“, die  untere Adula Hütte auf. Ich bedanke mich artig beim Universum und die Glückshormone lassen mich mit Leichtigkeit den letzten kleinen Hügel zur Hütte hoch klettern. Warum liegen die Hütten eigentlich immer irgendwo oben auf einem Hügel oder Berg???

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Die Adula Hütte mit leckerem Kuchen und Kaffe aus einer Kapselmaschine!!!

Die Hüttenwartin ist hier die bisher freundlichste und liebenswerteste. Wir fühlen uns sofort sehr wohl und im Aufenthaltsraum ist es auch angenehm warm, denn wie immer, sobald die Sonne weg ist, wird’s eisig kalt und die einzige Wärmequelle ist oft der Herd in der Küche. Die ist wiederum meist neben dem Aufenthaltsraum.

Wir essen sehr lecker wieder eine Suppe, ich glaube diesmal ohne Salat, dann Polenta mit sowas ähnlichem wie Gulasch und wieder ein leckeres Dessert.

Nach der Suppe führt uns der Freund der Hüttenwartin hinter das Haus, weil dort ein Steinbock-Weibchen steht. Wir können es aus relativer Nähe beobachten. Leider ist es schon fast dunkel, aber es ist trotzdem ein schönes Erlebnis.

Wir haben wieder ein Zimmer für uns, das allerdings so eiskalt ist, dass wir noch Extradecken zum Schlafen nehmen, die Socken anbehalten und anfangs sogar die Fleece-Jacken.

Es hätte hier eine Dusche, aber da wir ja gerade gestern geduscht haben, müssen wir nun ja nicht schon wieder. Duschen wird also echt überbewertet….. 😉

Es gibt auch hier eine Spielecke, von der Sohn 3 verschiedenste Kartenspiele anschleppt, die wir noch spielen, bis es Zeit ist, in die Betten zu fallen.

Schrittzähler von heute: 28’922 Schritte. Ja, das zog sich dann doch noch ziemlich durch das Tal und war mit ca. 19 km die längste Strecke, die wir gemacht haben. Mit 9 Stunden vor zwei Tagen sind wir zwar am längsten unterwegs gewesen, aber auf einer kürzeren Strecke, also mit weniger Schritten. (so exakt misst der Schrittzähler sicher nicht, aber ungefähr kommt es schon hin.)

 

Herbstferien, Tag 3

 

Tag 3, 5. Oktober 2016

Am nächsten Morgen liegt das Tal in einem Nebelmeer. Aber wir sind oberhalb und das ist gut so. 🙂

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für dieses Foto ist der Herr des Hauses extra früh aufgestanden

Das Frühstück ist gut, das Brot etwas leckerer als in der Medelshütte, aber auch hier kein Nutella!!! 😉 Frühstück ist übrigens immer so zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Manchmal sogar nur bis halb acht. Ja, die Bergwanderer sind früh auf den Beinen, aber man geht ja auch immer schon so früh ins Bett.

Nach dem Betten machen, wie immer, packen wir die Rucksäcke – oh, wir haben das Lunchpaket nicht bestellt… – und füllen unsere Wasserflaschen. Das Wasser hier oben kann man bedenkenlos trinken.

Wir gönnen uns heute einen Spar-Tag und wandern nur ein kleines Stückchen zur nächsten Hütte. Das geht auch ohne Lunch-Paket. Ausserdem haben wir noch Kekse und Schokolade.

Da es aber nicht unsere ursprünglich geplante Route ist, müssen wir uns noch ummelden.

Bevor wir losgehen, rufen wir also bei der Motterascio Hütte an, um uns anzumelden. Ebenfalls müssen wir bei der Adula Hütte anrufen, um uns abzumelden, sonst fangen sie womöglich an, uns am Abend zu suchen….

Die Hüttenwartin der Adula Hütte ist nicht so begeistert, denn sie hat mit uns gerechnet und plötzlich 5 Leute weniger, das ist nicht lustig. Sie hatte schon das Essen aufgetaut….. einen Anteil müssten wir auf jeden Fall trotzdem zahlen.

Wir ziehen uns zur Beratung zurück.

Dann telefoniert der Herr des Hauses nochmal und wir kommen überein, dass wir zuerst in die Motterascio Hütte und dann einfach einen Tag später in die Adula Hütte wandern werden. Also laufen wir los.

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oh, hier mal ein Schild mit Zeitangaben. Also nur 1 3/4 Stunden heute. Das schaffen wir!

Es wird etwas grüner und der Weg ist schön leicht und führt an Wasserfällen vorbei, an einem Fluss entlang. Schön einfach, gut für unsere Oberschenkel und Knie…..

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Wie man sieht, laufe ich immer noch im T-Shirt, weil es beim Laufen in der Sonne echt warm ist.

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Das Wandern ist des Müllers Lust, das waaaahaaandeeeeern……

Plötzlich sehen wir ganz knapp über dem Bergkamm ein irres Lichtspiel. Die Kamera fängt es erstaunlicherweise sehr gut ein. Die Sonne bestrahlt irgendwie Staub und Insekten und Pollen oder was auch immer und es flimmert und strahlt wie wild. Sieht fast aus wie ein Vulkanausbruch. 🙂

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Glitzerflimmer über dem Bergkamm

Es ist hier so flach, dass auch wieder Getier unterwegs ist. Die Saison ist für die Kühe bereits vorbei, sie sind wieder im Tal im Stall, aber ihre Hinterlassenschaften sind noch deutlich am Boden erkennbar.

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Ist fast schon Kunst, oder? 😉

Dann sehen wir weiter unten auf unserem Weg diese merkwürdigen Gebilde. Man sieht sie eigentlich überall, wo lose Steine herumliegen. Der Mensch stapelt offenbar gerne Sachen aufeinander….

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Wenn dann in 100’000 Jahren jemand das ausgräbt, muss er sich auch wundern….

Steine, Steine, Steine. Natürlich haben wir dann auch noch einen kleinen Turm dazugestellt. Logisch. 🙂

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Und dann, allerdings nach etwas mehr als 1 3/4 Stunden, sind wir schon am frühen Nachmittag in der Motterascio Hütte angekommen. Sie liegt auf 2183 m.ü.M.

Wir haben immer (!) länger als auf den Schildern oder in irgendwelchen Wanderführern steht. Einerseits weil wir wohl öfter und länger Pausen machen als üblich, andererseits laufen wir aber auch langsamer, denke ich. Im Nachhinein hätten wir alle viel weniger mitgenommen und ich hätte auf jeden Fall einen kleineren und leichteren Rucksack genommen.

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Wir sind inzwischen im Tessin gelandet, was man deutlich an der Flagge vor der Hütte erkennen kann.

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Benvenuti al Ticino (keine Ahnung, ob mein Italienisch richtig ist…..)

In jeder Hütte gibt es Hütten-Finken (Finken sind Hausschuhe in der Schweiz), damit man nicht mit den Wanderschuhen durch die Hütte wandert und alles dreckig macht. In der Motterascio Hütte gab es sogar ganz originelle vom Schweizer Alpen Club SAC. So muss es sein. 🙂

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Original SAC Hüttenfinken

Da wir diesmal für unsere Verhältnisse extrem früh in der Hütte waren, gönnten wir uns alle eine Dusche. Aber: „bitte nur ganz kurz duschen, wir müssen Wasser sparen!!!“ kam es von der Hüttenwartin. Egal. Hauptsache mal wieder warmes Wasser über den Körper laufen lassen. Auch wenn es nur ganz kurz ist. Meine Haare konnte ich draussen auf der sonnigen Terrasse im Wind trocknen lassen. Sehr praktisch. Einmal duschen kostet, sofern die Hütte überhaupt eine Dusche hat, 5.- Franken pro Person.

Anschliessend gab es für alle ein Stück selbstgebackenen Kuchen, Kaffe für die Grossen und heisse Schokolade für die Jungs.

Wir durchstöberten die Spielecke und spielten so gut wie jedes Spiel durch. Egal wie blöd oder kindisch es auch war.

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Altersgruppe 4-10, aber wir hatten absolut unseren Spass mit Max Mümmelmann!!

Später spielten wir noch Yatzee und Uno und dann gab es bald schon das Abendessen.

Wie gewohnt 4 Gänge: Suppe, Salat, diesmal einen sehr leckeren Auflauf und zum Abschluss ein Dessert. Der/die Hüttenwart/in stellt immer die grosse Schüssel auf den Tisch und man nimmt sich selbst, soviel wie man will. Ist alles ein bisschen wie Klassenfahrt. Und je nach Hütte auch so eine Atmosphäre wie bei einer Klassenfahrt. 🙂

In dieser Hütte hatten wir unser eigenes Zimmer. Zwar waren hier auch immerhin 8 Betten im Zimmer, aber wir waren allein.

Noch einen letzten Ausblick auf unsere Tour von morgen und dann ab in die Betten.

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Runter zum Stausee geht es morgen. Runter ist immer super für die Knie….. :-/

Dann geht die Sonne schon wieder unter, es wird sehr schnell dunkel in den Bergen.

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Schrittzähler von heute: „nur“ 12’745 Schritte. War ja auch eine ganz kurze Tour.

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